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18. Januar 2012 / Wibos

Nachhaltigkeit – … oO0Oo … was`n das?


Über Nachhaltigkeit wird viel erzählt, man könnte es auch kommunizieren nennen. Aber was bedeutet es eigentlich, sich wirklich nachhaltig zu verhalten? Ist es für die Mehrheit von Firmen und Menschen nicht bloß eine reine Image-Frage? Ich sage ja, in der Regel ist es das! Ich sage euch auch warum.

Aufgenommen an der Mecklenburgischen Kleinseenplatte

Umweltschutz geht uns alle an

Wir leben in der Regel in Situation, in der mindestens zwei Akteure sich einer gemeinsamen, endlichen und selbstregenerativen Ressource bedienen (müssen). Um den höchsten Nutzen aus dieser Quelle zu beziehen, muss weiterhin zwischen kurzer und langer Frist unterschieden werden, womit wir auch schon beim Problem des nachhaltigen Erhalts der Nutzung dieser Ressource angelangt sind. Denn den kurzfristig größte Nutzen für sich selbst, erzielt ein Akteur durch eine Intensivierung des Abbaus (Ausbeutung) dieser Ressource, wodurch er diese allerdings zerstört und sich früher oder später eine andere Quelle erschließen muss. Dieses Verhalten entspricht der Regel heutigen wirtschaftlichen Verhaltens und oft auch des faktischen politischen Willens in entwickelten Ländern, auch wenn es der Bevölkerung nicht so verkauft wird. Es ist orientiert am Menschenbild des nur theoretisch existenten Homo Oeconomicus – egozentrisch, gierig, asozial und damit rein materialistisch – er ist ein skrupeloser Ausbeuter. Er trifft sogenannte dominante Entscheidungen, die für ihn die kurzfristig Nützlichsten sind, unabhängig davon, wie andere Akteure entscheiden, mit denen er über den Entscheidungsgegenstand zusammenhängt.

In der Realität taucht dieser theoretische Zeitgenosse dann auf, wenn ein Mensch in ökonomisch, ökologisch und sozial weitgehend entkoppelten Zusammenhängen agiert bzw. vielleicht sogar agieren muss. Beispiel gefällig? Gerne. Stell dir vor, du hast Hunger und du willst für möglichst wenig Geld und Bewegung (kostenminimal) so viel zu Essen wie nur irgendmöglich (nutzenmaximal) bekommen. Du bestellst dir also beim allergünstigsten Lieferanten eine Pizza für 4,50 € ins Haus. Sie kommt mit dem Auto, du isst sie – sie ist ok – Hunger gestillt und du bist zufrieden. Ausbeutung hat in diesem Beispiel auf verschiendenen Ebenen stattgefunden. Zum Beispiel hast du dir gerade Lebensmittel reingezogen, die wahrscheinlich unter geringen Schutzauflagen für Mensch und Natur hergestellt werden mussten, um für das Produkt nur magere 4,50 € nehmen zu können. Der Mensch, der dir die Pizza gebracht hat, tut dies in der Regel für ungefähr 5,- € die Stunde. Da du gerade cholesterinbewusst gegessen hast, bist du zwar kurzfristig satt geworden, hast aber deiner Gesundheit keinen Gefallen getan. Um in 30 Jahren (langfristig) immer noch gesund zu sein, müsstest du dich auch heute schon regelmäßig gesund ernähren. Die im Beispiel gemeinsam genutzten Ressourcen sind die Atmosphäre durch das Auto, die Arbeitskraft des Lieferanten, das Zwischenlager und die schlechten Vorzeichen für den günstigen Atom-Strom für den Pizza-Ofen, deine Gesundheit und so weiter und so fort.

Mein ökologischer Fußabdruck beträgt 4,02 Hektar – fair wären 1,9

Also auf den kurzfristig maximalen Nutzen verzichten? Genau! Um eine gemeinsame Ressource langfristig, ja sogar generationsübergreifend nutzen zu können, muss auf den kurzfristig maximalen Nutzen verzichtet, und sich mit einem kleineren Nutzenniveau zufrieden gegeben werden, um sie auch in Zukunft gebrauchen zu können und somit in der Summe optimale „Auszahlung“ zu erhalten.

Für ein nachhaltiges Verhalten muss man sich also disziplinieren. Es ist eine Frage der Erziehung und Sozialisation, ob man sich einer nachhaltigen Entwicklung unterordnet. Man muss sich an Abmachungen unter Mitnutzern halten, der gemeinsam genutzten Ressource (Allmende) nicht mehr zu entnehmen, als sie wieder aufbauen kann. Kooperation ist das Ziel, Kommunikation kann auf lokaler Ebene der Weg dahin sein.

Die globalisierte Wirtschaft ist jedoch in einem nie dagewesenen Maße entkoppelt organisiert. Wenn du zum Beispiel dein Geld zu einer großen deutschen Bank bringst, um einen möglichst hohen Zins zu bekommen, interessiert es dich woher das Geld kommt, was du für deine Anlage erhältst? Wenn du deiner Freundin einen Goldring kaufst, um ihr deine Liebe auszudrücken, interessieren dich die Bedingungen, unter denen das Gold dafür abgebaut wurde?

Es ist nicht einfach sich nachhaltig zu verhalten, die Zeit dafür ist längst gekommen (footprint-deutschland.de).

Keiner will als Ausbeuter und Umweltverschmutzer dastehen, doch ernsthaft Konsequenzen für das persönliche Verhalten oder gar das Quartalsergebnis in Kauf nehmen? Wohl kaum. Der Schutz der Umwelt kann nur über allgemein verbindliche Regeln und technische Innovationen vorangetrieben werden. Wirtschaftlicher Verzicht zugunsten nachfolgender Generationen, ein Kernpunkt vieler Nachhaltigkeitsdefinitionen, ist für das faktische Verhalten von Firmen nur durch entsprechend kontrollierte Gesetze eine Handlungsoption, wie es zum Beispiel in der Fischerei nötig wäre. Freiwillig schwenken Firmen nur dann auf nachhaltige Entwicklung um, wenn es für sie wirtschaftlich eher früher als später Sinn macht.

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