Skip to content
18. November 2011 / Wibos

Der Mindestlohn – Grundlegendes zum Mitreden


Zurzeit wird in Deutschland kontrovers über die Einführung einer Untergrenze für Arbeitsentgelte, speziell für den Niedriglohn-Sektor, diskutiert. Nachdem sich Kanzlerin Merkel für eine Einführung des selbigen ausgesprochen hat, scheint der Mindestlohn so nah wie nie. Aber kann er wirklich zu eine Verbesserung der Einkommenssituation führen? Ja und Nein ist die richtige Antwort! Hier eine marktwirtschaftliche Situation, in der ein Mindestlohn sinnvoll ist.

Was nutzt das Geld, wenn man es behält?

Ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn ist letztenendes nichts anderes als ein Eingriff in die freie Preisbildung durch die Marktkräfte Arbeitskraftangebot und Arbeitsnachfrage. Das Ergebnis ist der markträumende Preis, also das Geld, welches dem Arbeitnehmer für eine bestimmte Tätigkeit bezahlt wird. Nun gibt es Marktformen, bei denen die besagten Marktkräfte nicht zum gewünschten Ziel führen. Zum Beispiel das Angebotsoligopol (wikipedia.org). Es definiert sich durch die Anwesenheit einer sehr geringen Anzahl von Unternehmen, dem Arbeitsangebot. Es wird deswegen auch gerne als Quasimonopol bezeichnet, schließlich ist es einer handvoll Unternehmen ein Leichtes sich im Preis abzusprechen und ihn so zu diktieren. Andersherum kann es in Oligopolen auch zu einem harten Verdrängungswettbewerb kommen, der durch einen Verfall der Preise gekennzeichnet ist.

Gleichzeitig stehen diesem Arbeitsangebot relativ viele Menschen gegenüber, die die angebotene Arbeit nachfragen und aufgrund der geringen benötigten Qualifikationen auch ausüben können. Es versteht sich von selbst, dass deutlich mehr Menschen als angebotene Jobs vorhanden sind.

Ein gutes Beispiel für ein Oligopol in Deutschland ist der Arbeitsmarkt der Brief- und Paketzusteller. Einer Handvoll Anbieter steht einer Armee von Arbeitskräften gegenüber, daneben eine Heerschar von Menschen, die den Job ebenfalls machen können. Nimmt man jetzt an, dass zum Beispiel die SWB ihre Flut von Briefen vom günstigsten Anbieter zustellen lassen will, werden die Briefzustelldienste versuchen die günstigsten zu sein, um den Auftrag zu erhalten. Sie treten also in Preiskonkurrenz zu den anderen Anbietern. Die Briefzustellung ist nunmal von Haus aus eine arbeitsintensive Angelegenheit, ergo ist der Anteil der Personalkosten, die durch den Preis für die Briefzustellung getragen werden müssen, relativ hoch. Will zum Beispiel die Post die Preise für die Zustellung senken, ohne dass sich das auf den Gewinn auswirkt, müssen die Kosten gesenkt werden, zum Beispiel die Personalkosten. Schließlich will sie ja den SWB-Auftrag zurück, den sie vor ein paar Jahren an die Citipost verloren hat, die ihrerseits vorher die Preise gesenkt hat.

Damit aus diesem Mechanismus kein Desaster einer Abwärtsspirale der Preise wird, vor allem für die Briefträger, ist es in arbeitsintensiven Oligopolen sinnvoll, die Löhne von der Marktkonkurrenz zu befreien und einen verbindlichen Mindestlohn für alle Marktteilnehmer in der Briefzusteller-Branche einzuführen. Kein Unternehmer dieser Branche kann sich dann mehr auf Kosten seiner Mitarbeiter einen Preisvorteil verschaffen. Dies hat natürlich nicht zur Folge, dass hier eine Planwirtschaft an die Stelle der Marktwirtschaft tritt, wie es oft, schnell und populistisch behauptet wird. Lediglich der Mensch wird von der Brutalität des Marktes befreit und ist nicht mehr direkt von Preissenkungen betroffen. Vielmehr verlagert sich der Wettbewerb hin zu mehr Qualität, um einen Konkurrenzvorteil zu erzielen.

Fazit: Preisfestsetzungen sind immer dann sinnvoll, wenn die Mechanismen des Marktes versagen. Also immer dann, wenn die volkswirtschaftlichen Ziele der Preisstabilität und der Wohlfahrt gefährdet sind. Voraussetzung sollte ebenfalls sein, dass es um eine zu erbringende Leistung geht, die auch unter höheren Preisen als denen des Marktpreises zustande kommt. Generell sind das grundlegende Versorgungsleistungen, wie in diesem Beispiel die Postzustellung.

Lesen Sie demnächst: In welchen Zusammenhängen es nicht sinnvoll ist Mindestlöhne einzuführen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: